Die ThinC im WESTWERK

Standort Plagwitz gestern und heute

In Trägerschaft des Kunstfördervereins ARS AVANTI e. V. wird die ThinC im WESTWERK von Leipzig aufgebaut. Das ehemalige Industriearmaturenwerk Leipzig (IAL), die heutige Kulturfabrik WESTWERK, liegt inmitten des einstigen Industrie-Viertels von Leipzig, dem Stadtteil Plagwitz. Nach der politischen Wende von 1989 und dem darauf folgenden Verlust vieler Industriezweige im Ostteil Deutschlands konnte auch in Plagwitz nicht an die Wirtschaft vergangener Zeiten  angeknüpft bzw. diese weiter ausgebaut werden. Diese Situation markierte einen Bruch industriegeschichtlicher Entwicklung, der mit enormen gesellschaftlichen Veränderungen behaftet und belastet gerade im Mischgebiet des Wohnens und Arbeitens in Plagwitz besonders spürbar wird. Umso wichtiger erscheint gerade zu dieser Zeit die Vergegenwärtigung und kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit, das Aufspüren eigener Potentiale und Bündeln gesellschaftlicher Energien, die eine progressive Entwicklung über das Stadtgebiet hinaus erst möglich machen.

Die ThinC im WESTWERK bietet hierfür die besten Voraussetzungen. Zwischen Wohnungsbebauung und reinem Gewerbegebiet gelegen, umfasst das heutige WESTWERK eine historische Baustruktur, die teilweise noch von der einstigen Pferdebahn und dem Industriearmaturenwerk Schumann & Co., bzw. dessen Vorgänger, der Firma Dambacher zeugen. Die in den Folgejahren gewandelte Industriearchitektur, überlieferte Unterlagen und Zeitzeugenberichte spiegeln in anschaulicher Weise die Ablesbarkeit von Geschichtsprozessen wider. Beispielsweise befindet sich hier zum einen das älteste, noch in Außenmauern erhaltene Gießereigebäude Leipzigs, zum anderen gehören dessen Nebengebäude zu den ersten Atelierräumen Max Klingers in Leipzig. Später war das IAL mit Künstlern durch baugebundene Kunst im Bereich der Arbeitsumweltgestaltung, sowie im Rahmen der breit diskutierten Auftragskunst in der ehemaligen DDR verbunden gewesen. Heute stehen die Gebäude des ehemaligen IAL, dem jetzigem WESTWERK, mit Ateliers, Galerien und künstlerischen Werkstätten ganz im Dienste der Kunst und Kultur, was den gesellschaftlichen Wandel in Richtung Kreativwirtschaft besonders zum Ausdruck bringt. Dieser Ort ist damals wie heute gesellschaftlicher Knotenpunkt mit veränderten Perspektiven.

Zielstellung der ThinC



Zielstellung der ThinC ist das Erforschen und Bewahren von Geschichte in Bezug auf Industrie, Wirtschaft, Kultur, Umwelt- und Lebensraumgestaltung, soziale Komponente und Politik, sowie die Entwicklung neuer Denkmodelle, die in zukünftigen Wirtschafts- und Kulturprozessen zu erproben sind. Die ThinC hat dadurch gleichsam den Experimentalcharakter einer Zukunftswerkstatt zu gewinnen.

Durch die Einbeziehung ehemaliger Industriearbeiter und Angestellter in Form von Interviews und Diskussionsrunden ist ein generationsübergreifender Dialog anzustreben, der das Miteinander von Jung und Alt stärkt und befördert.
Wissenschaftliche Ergebnisse durch akademische Forschungsarbeiten sollen sowohl zur weiteren Arbeit anregen als auch allgemeinverständlich dem interessierten Publikum nahe gebracht werden und integrativen Charakter tragen.

In interdisziplinärer Zusammenarbeit sind verschiedene Forschungsrichtungen und Gebiete aus unterschiedlichen Institutionen in gegenseitiger Bereicherung zusammenzuführen.

Experimentelle Begegnungen künstlerischer Ausdrucksmittel und wissenschaftlicher Analysen haben die Tradition dieses Standortes in der Begegnung von Kunst und Industrie fortzuführen.